[Arbeiten] Vita
transsitio - Spielorte des Übergangs
Fotoakustische Installation
Im Zuge der weltweiten Globalisierung und deren Krise manifestieren sich in den urbanen Ballungszentren der sogenannten 1. Welt- und 3. Welt-Länder mit unterschiedlichen Dynamiken überraschend ähnliche Übergangsphänomene. Am sichtbarsten artikulieren sich diese transitorischen Zustände in dem phänotypisch wesentlichsten Baustein der Urbs: ihrer Architektur. Die Fassadenverwalter auf beiden Seiten sind zu den gleichen Maßnahmen gezwungen: Demontage, Übergang und Provisorium sind nicht nur tonangebende Motive, sondern bilden sogar die Koordinaten gegenwärtiger Krisenstrategien in den urbanen Zentren weltweit. Das Prinzip der Übereinstimmung von Form und Funktion wird durchbrochen: der Raum wird entgegen seiner ursprünglichen Bestimmung neuen Funktionen innerhalb der städtischen Systeme zugeordnet. Dies fällt besonders auf, wenn sozial orientierte staatliche Gebäude privatisiert werden. Im allgemeinen geschieht diese Umwandlung mit einer Haltung, die sich darum bemüht, die historische und symbolische Aufladung der jeweiligen Artefakte weitestgehend zu leugnen bzw. diese beliebig umzudeuten. Die funktionale Beliebigkeit spiegelt ein wesentliches Merkmal der Globalisierung wider: die Legitimität jeglicher Resemantisierung von etablierten Signifikanten.
Buenos Aires ist seit dem breakdown in Argentinien im Dezember 2001 zum Synonym der Globalisierungskrise geworden. Die deutsch-argentinische Projektgruppe verweist mit trans sitio auf absurde Konsequenzen der Krisensituation in Buenos Aires und schärft den Blick der Betrachter für ähnlich geartete Übergangsphänomene in Berlin: Die Fotografien aus Buenos Aires werfen Schlaglichter auf Kinosäle im Zentrum der Stadt, die von den Betreibern geschlossen und von den Eigentümern weiter vermietet wurden. Einzug hielten Spielhöllen, Freikirchen und "99-Pfennig-Länder". Dieses Material -ergänzt und interpretiert durch Sounds- wird in einer Installation entsprechenden Bildern und Klängen aus Berlin gegenüber- und in ein Bezugssystem gestellt. Berlin bietet in seiner bereits kontinuierlichen Wirtschaftskrise und durch den lange anhaltenden Prozess des Übergangs seit Mauerfall reichlich Vergleichsbeispiele (Palast der Republik/ zwischenpalastnutzung; Wolfgang Joop präsentiert Haute Couture in der St.-Johannes Kirche in Mitte; in ehemaligen Kitas, Schulen oder städtischen Schwimmbädern werden Szeneparties gefeiert etc.). Die Fotografien von Ina-Maria Rittmeyer dokumentieren und inszenieren Räume im Übergang. Sie erzählen Geschichten, die über die Tonspuren von Pablo Juanes und Ronny Trocker weitererzählt werden. Durch elektronisch bearbeitete Tonaufnahmen der Originalschauplätze treten die visuellen Motiv-Paare in Interaktion. Es ensteht eine akustische Schnittmenge, in der die fotografisch getrennten Räume miteinander verschmelzen.
(Kaja Krajnik)
Fotografie: Ina-Maria Rittmeyer
Sound: Pablo Juanes und Ronny Trocker
Konzept/Künstlerische Leitung: Kaja Krajnik
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