Ausstellungskonzeption

Die Kirche Sankt Elisabeth und das dazugehörige, ehemalige Gemeindehaus werden in ihrem Abweichen von klassischen Ausstellungsräumen (unterschiedliche Boden- und Wandoberflächen: Keramik, Holz, Stuck, farbige Anstriche) dennoch als solche akzeptiert. Sämtliche zur Verfügung stehenden Wände können aus denkmalpflegerischen Gründen nicht zusätzlich durch Bohrungen belastet werden, sodass die vertraute Kunstpräsentation der Hängung durch alternative Platzierungsformen ersetzt werden muss. Eine radikale Reduktion der Mittel lässt minimale Ausstellungslösungen entstehen. Der Moment der Überraschung begleitet die Entdeckung der Kunst und des gesamten Ausstellungsgebäudes.

Objekte strecken sich scheinbar unvermittelt in einzelnen Räumen aus oder gehen direkte Verbindungen mit vorgefundenen Konstruktionen ein. Die Möglich- oder Unmöglichkeit einer Beziehung zwischen Werk, Ort und Besucher wird in jedem Raum neu formuliert. Zweidimensionale Arbeiten schließen sich durch ihre Anordnung untereinander zu einer horizontalen Ebene über dem Boden zusammen oder lehnen in einem immer gleichen, präzise ausgeloteten Winkel gegen eine speziell dafür bestimmte Wand. Es wird eine Vielzahl von individuellen Lagerungen entwickelt, die eine sichere Platzierung der Werke im Raum garantieren.

Das Gebäude erhält eine zusätzliche, provisorische Stromversorgung, die den veränderten Nutzungsbedingungen zur Ausleuchtung der Ausstellung (bis zu 2000 Watt pro Raum) entspricht. Ausgehend von einem zentralen Sicherungskasten im Foyer verteilen sich die notwendigen Kabel durch das Haus. Baustellenleuchtkörper, Verteilerkästen und Kabeltrommeln lassen ein Rhizom (Wurzelgeäst) entstehen, das sich als Orientierungselement durch die Ausstellung zieht. Zum Schutz der Kabel werden diese mittels eines breiten Klebebandes an Wand, Boden und Deckenflächen befestigt.

Neben jeder Arbeit befindet sich gut sichtbar eine Plakette , die den Standort des Werkes markiert. Aus Buchstaben und Nummer bestehend, verweist diese in einem am Eingang erhältlichen Faltblatt bzw. Katalog auf inhaltliche und biographische Daten des betreffenden Künstlers. Die für den Kunsttransport aus Argentinien benötigten Kisten werden nicht grundsätzlich entfernt und bilden einen Materialpool zum Bau von Tresen, Bänken oder Podesten. Die daraus erwachsende informelle Ästhetik vermittelt beiläufig Zusammenhänge und Geschichte der Ausstellung.

Imke Woelk, Dipl.-Ing. Arch.


Ausstellungskonzept und -architektur: Imke Woelk Architekt
Projektleitung: Heiko Walth